Autorin: Dr. Lena Schuster, Immobilienökonomin und Leiterin des Forschungsbereichs Wohnmarkt am Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW Berlin)
Datum: 8. November 2025
Was ist passiert?
Laut dem aktuellen „Wohnbarometer“ des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind die Mietpreise in deutschen Großstädten im dritten Quartal 2025 um durchschnittlich 4,2 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Noch stärker fällt der Anstieg bei Kaufimmobilien aus: In Berlin, München, Hamburg und Frankfurt liegen die Preise für Eigentumswohnungen aktuell 12–18 % über dem Niveau von 2023. Grund dafür sind mehrere Faktoren: anhaltender Wohnraummangel, steigende Baukosten, Zinserhöhungen, die den Neubau bremsen, sowie eine wachsende Nachfrage durch Zuwanderung und veränderte Wohnbedürfnisse nach der Pandemie – etwa nach mehr Platz und Homeoffice-tauglichen Räumen.
Warum ist das wichtig?
Wohnen ist ein Grundbedürfnis – und steigende Kosten belasten Haushalte massiv. Bei einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von 3.200 € monatlich geben viele Mieter bereits über 40 % für Miete aus – ein klares Zeichen von Wohnkostenüberlastung. Für Kaufinteressenten wird der Traum vom Eigenheim immer schwerer erreichbar: Die Kombination aus hohen Kaufpreisen, hohen Zinsen (aktuell bei 3,8–4,5 % für 10-Jahres-Festzins) und strengen Bankanforderungen schließt viele potenzielle Käufer aus. Gleichzeitig profitieren nur wenige – etwa Immobilieninvestoren oder langfristige Eigentümer – von dieser Entwicklung.
Expertenanalyse
„Der Wohnungsmarkt spaltet sich“, warnt Dr. Schuster. „Auf der einen Seite steht eine wachsende Gruppe, die sich angemessenes Wohnen kaum noch leisten kann – auf der anderen Seite Investoren, die von Preisanstiegen profitieren.“ Sie betont, dass staatliche Maßnahmen wie Mietpreisbremse oder Sozialwohnungsprogramme zwar wichtig seien, aber strukturell zu langsam wirken. „Der entscheidende Faktor bleibt das Angebot – und das hinkt der Nachfrage seit Jahren hinterher.“ Besonders kritisch sieht sie die Lage junger Haushalte und Alleinerziehender: „Ohne familiäre Unterstützung oder hohes Einkommen wird der Zugang zu Wohnraum immer schwieriger.“
Praktische Strategien für Mieter und Käufer
- Nutzen Sie Förderprogramme: Der Staat fördert Wohneigentum über das „Baukindergeld“ (bis zu 12.000 € pro Kind) und zinsgünstige KfW-Darlehen – auch für energieeffiziente Bestandsimmobilien.
- Prüfen Sie alternative Wohnformen: Genossenschaftswohnungen, Mehrgenerationen-WGs oder Tiny Houses bieten oft günstigere und nachhaltigere Alternativen.
- Verhandeln Sie aktiv bei Mietverträgen: In vielen Fällen ist Spielraum vorhanden – besonders bei Neuvermietungen. Fordern Sie eine Mietpreisbremse-Prüfung an (über Mietervereine).
- Denken Sie regional: Statt im Stadtzentrum zu suchen, lohnt sich ein Blick in Umlandgemeinden mit guter Anbindung – oft 20–30 % günstigere Preise.
- Planen Sie langfristig: Wer plant, länger zu bleiben, sollte trotz hoher Zinsen kaufen – denn Mieten steigen kontinuierlich, während die Tilgung langfristig entlastet.
Fazit
Der Wohnungsmarkt 2025 ist herausfordernd – aber nicht hoffnungslos. Wer informiert, flexibel und proaktiv handelt, kann auch in teuren Zeiten eine gute Lösung finden. Wie Dr. Schuster abschließend betont: „Wohnen ist mehr als vier Wände – es ist Lebensqualität. Und die sollte niemandem verwehrt bleiben, nur weil er nicht reich ist.“