Autor: Dr. Markus Hoffmann, Leiter des Forschungsbereichs Alterssicherung am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
Datum: 6. November 2025
Was ist passiert?
Im Jahr 2025 steht die deutsche Rentenversicherung vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen: Der aktuelle Rentenversicherungsbericht prognostiziert, dass das Rentenniveau bis 2035 auf 44 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens sinken wird – von aktuell noch 49,2 %. Gleichzeitig steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre, und die Beitragssätze könnten bis 2030 auf über 21 % klettern. Hinzu kommt: Inflationsbedingte Erhöhungen der Renten (wie die 4,39 % im Juli 2025) gleichen oft nicht den realen Kaufkraftverlust aus. Besonders betroffen sind Geringverdiener, Frauen mit Erwerbsunterbrechungen und Selbstständige ohne Pflichtversicherung.
Warum ist das wichtig?
Die gesetzliche Rente war lange der verlässliche Pfeiler der Altersvorsorge – doch sie wird zunehmend zur Grundsicherung, nicht zum Ersatz des Arbeitsgehalts. Wer heute 40 Jahre alt ist und durchschnittlich verdient, erhält voraussichtlich eine monatliche Bruttorente von rund 1.500 € – bei einem heutigen Nettoeinkommen von 2.800 €. Das bedeutet: Ohne zusätzliche Vorsorge droht Altersarmut oder Abhängigkeit von Familien oder Sozialleistungen. Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten – besonders bei Wohnen, Energie und Pflege.
Expertenanalyse
„Die Dreisäulen-Strategie – gesetzlich, betrieblich, privat – ist heute keine Empfehlung mehr, sondern Pflicht“, betont Dr. Hoffmann. „Viele glauben, sie hätten noch Zeit – doch Zinseszins wirkt nur bei früher Anlage.“ Besonders kritisch sieht er die Informationslücke: „Selbstständige, Teilzeitkräfte und Geringverdiener wissen oft nicht, dass sie Anspruch auf staatliche Zulagen wie die Riester-Förderung oder die Basisrente („Rürup-Rente“) haben.“ Zudem verweist er auf die Reform der AV-Phase (Altersvorsorge-Information): Seit 2025 erhalten Versicherte ab 27 Jahren alle drei Jahre einen verbindlichen Altersvorsorge-Check – eine wichtige, aber oft ignorierte Chance zur Planung.
Praktische Schritte für eine sichere Altersvorsorge
- Fordern Sie Ihre Renteninformation an: Über das Portal können Sie jährlich Ihre voraussichtliche Rente einsehen – nutzen Sie diese als Planungsgrundlage.
- Nutzten Sie staatlich geförderte Modelle:
- Riester-Rente: Bis zu 175 € Zulage pro Jahr + Kinderzulage (185 € pro Kind).
- Basisrente (Rürup): Steuerlich absetzbar – ideal für Selbstständige und Gutverdiener.
- Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Bis zu 30 % günstiger durch Bruttoentgeltumwandlung.
- Beginnen Sie früh – auch mit kleinen Beträgen: Schon 50 € monatlich in einem fondsgebundenen Sparplan können über 30 Jahre zu über 40.000 € wachsen (bei 5 % Rendite).
- Diversifizieren Sie: Kombinieren Sie sichere (z. B. fondsgebundene Rentenversicherung) und renditestarke (z. B. ETF-Sparplan) Elemente.
- Planen Sie Pflegekosten ein: Eine private Pflegezusatzversicherung schützt vor existenziellen Risiken im hohen Alter.
Fazit
Die Rente der Zukunft wird individueller – und damit verantwortungsvoller. Wer heute aktiv vorsorgt, sichert sich morgen nicht nur finanzielle Stabilität, sondern auch Unabhängigkeit und Würde. Wie Dr. Hoffmann abschließend sagt: „Altersarmut ist kein Schicksal – sie ist das Ergebnis unterlassener Vorsorge. Und die gute Nachricht: Es ist nie zu spät, um zu beginnen.“