Autor: Markus Weber, Finanz- und Verbraucherschutzexperte, Verband für sicheres Banking (Frankfurt)
Datum: 10. November 2025
Was ist passiert?
Seit Anfang 2025 haben zahlreiche deutsche Banken – darunter große Privatbanken wie die Deutsche Bank und Commerzbank sowie viele Genossenschaftsinstitute – ihre internen Transaktionslimits deutlich verschärft. So gelten jetzt oft Höchstbeträge von 10.000 € pro Tag für Online-Überweisungen, Bareinzahlungen über 5.000 € erfordern eine vorherige Anmeldung, und internationale Zahlungen werden bei „ungewöhnlichem Verhalten“ automatisch blockiert. Diese Maßnahmen folgen auf EU-Vorgaben zur Geldwäschebekämpfung (5. Geldwäscherichtlinie) und verstärkten Anforderungen der BaFin.
Warum ist das wichtig?
Auf den ersten Blick dienen die neuen Regeln dem Schutz vor Betrug und illegalen Geldströmen – ein nachvollziehbares Ziel. Doch in der Praxis betreffen sie nicht nur Kriminelle, sondern auch ehrliche Verbraucher: Erben, die eine größere Summe auf ihr Konto überweisen möchten, Hauskäufer, die die Anzahlung per SEPA-Überweisung tätigen, oder Rentner, die Bargeld von Angehörigen erhalten. Plötzlich stoßen sie auf technische oder bürokratische Barrieren, die Zeit, Nerven und manchmal auch Kosten verursachen.
Expertenanalyse
„Die Banken handeln rechtlich korrekt – aber oft ohne ausreichende Kundenkommunikation“, kritisiert Markus Weber. „Viele Kunden erfahren erst im Moment der Transaktion, dass ihr Limit überschritten ist. Das führt zu Frustration und im schlimmsten Fall zu verpassten Fristen – etwa beim Immobilienkauf.“ Besonders betroffen seien ältere oder technisch weniger affine Menschen, die auf persönliche Beratung angewiesen sind, während Filialen gleichzeitig schließen. „Sicherheit darf nicht zur Entmündigung führen“, so Weber.
Praktische Tipps für betroffene Kunden
- Klären Sie Ihre Limits frühzeitig: Fragen Sie bei Ihrer Bank nach den genauen Grenzen für Überweisungen, Bareinzahlungen und Kartennutzung – am besten schriftlich.
- Melden Sie Großtransaktionen an: Bei Beträgen über 10.000 € sollten Sie mindestens drei Werktage vorher einen Termin vereinbaren oder eine schriftliche Freigabe beantragen.
- Halten Sie Belege bereit: Rechnungen, Kaufverträge oder Erbscheine helfen, Transaktionen zu legitimieren und Sperrungen zu vermeiden.
- Nutzen Sie alternative Services: Manche Sparkassen bieten „Mobile Beratung“ an; Postbank-Kunden können in ausgewählten Postfilialen Bankgeschäfte erledigen.
- Prüfen Sie Vollmachten: Hinterlegen Sie bei Bedarf eine Bankvollmacht für Vertrauenspersonen – besonders wichtig im Alter oder bei gesundheitlichen Einschränkungen.
Fazit
Die neuen Transaktionslimits sind ein Zeichen der Zeit – getrieben von regulatorischen Vorgaben und digitalen Risiken. Doch sie müssen nicht zum Hindernis werden. Wer proaktiv handelt, klare Absprachen trifft und seine Bank als Partner versteht, kann sicher und souverän bleiben. Im modernen Finanzsystem zählt nicht nur Sicherheit – sondern auch die Fähigkeit, sich anzupassen.