Autor: Dr. Markus Neumann, Energieökonom und Leiter des Verbraucherforums Energieeffizienz (Köln)
Datum: 10. November 2025
Was ist passiert?
Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) liegt der durchschnittliche Strompreis für Haushalte in Deutschland im November 2025 bei 42,3 Cent pro Kilowattstunde – ein Anstieg um 5,8 % gegenüber dem Vorjahr. Grund dafür sind mehrere Faktoren: Steigende Kosten für Netzausbau, höhere staatliche Umlagen zur Finanzierung erneuerbarer Energien sowie die anhaltend hohen Beschaffungspreise an der Strombörse, die durch geopolitische Unsicherheiten und geringe Speicherkapazitäten befeuert werden. Besonders betroffen sind Mieter in Altbauten und Haushalte ohne Möglichkeit zum Anbieterwechsel.
Warum ist das wichtig?
Strom ist kein Luxus, sondern Grundbedarf – und seine Kosten belasten inzwischen viele Haushalte erheblich. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 3.500 kWh/Jahr zahlen Verbraucher aktuell über 1.480 € pro Jahr – Tendenz steigend. Für Geringverdiener, Rentner oder Familien mit mehreren Kindern kann das zu finanziellen Engpässen führen. Zudem drohen weitere Preiserhöhungen: Ab 2026 werden neue Netzentgelte und die Reform des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) zusätzliche Kosten verursachen. Wer nicht handelt, riskiert, einen immer größeren Teil seines Einkommens für Energie aufwenden zu müssen.
Expertenanalyse
„Viele Verbraucher glauben, dass Anbieterwechsel allein reicht – doch das ist nur ein erster Schritt“, sagt Dr. Neumann. „Der größte Hebel liegt im eigenen Verbrauchsverhalten.“ Er weist darauf hin, dass bis zu 30 % des Stromverbrauchs in deutschen Haushalten auf ineffiziente Geräte, Standby-Modi oder falsche Nutzung zurückzuführen sind. „Ein neuer Kühlschrank der Effizienzklasse A+++ verbraucht bis zu 60 % weniger als ein 15 Jahre altes Modell – das spart langfristig mehr als jeder Tarifwechsel.“ Zudem kritisiert er, dass viele Haushalte immer noch auf „Ökostrom“ als reinen Marketingbegriff hereinfallen: „Nicht alle Ökostromtarife sind gleich – prüfen Sie, ob wirklich neuer Ökostrom ins Netz fließt oder nur Zertifikate gehandelt werden.“
Praktische Spartipps für den Alltag
- Wechseln Sie aktiv den Anbieter: Nutzen Sie Vergleichsportale wie Verivox, Check24 oder StromAuskunft.de – achten Sie auf Preisgarantie, kurze Laufzeit und echte Ökostromzertifikate (z. B. „Grüner Strom Label“).
- Tauschen Sie alte Geräte aus: Nutzen Sie die staatliche Förderung für energieeffiziente Haushaltsgeräte – bis zu 200 € Zuschuss gibt es für neue Waschmaschinen, Trockner oder Kühlgeräte.
- Nutzen Sie Strom zur günstigsten Zeit: Mit einem Zeitstromtarif (HT/NT) oder dynamischen Tarifen wie „Strom flex“ lassen sich bis zu 15 % sparen – besonders bei Wärmepumpen, E-Autos oder Spülmaschinen.
- Schalten Sie Standby ab: Steckerleisten mit Schalter oder smarte Steckdosen reduzieren den „Phantomverbrauch“ um bis zu 100 €/Jahr.
- Prüfen Sie Ihren Zähler und Verbrauch: Viele Stadtwerke bieten kostenfreie Verbrauchsanalysen an – so erkennen Sie unerwartete Stromfresser wie defekte Heizungsumwälzpumpen oder alte Tiefkühler.
Fazit
Steigende Strompreise sind kein vorübergehendes Phänomen, sondern Teil der Energiewende – doch das bedeutet nicht, dass Verbraucher machtlos sind. Mit klugen Entscheidungen beim Anbieterwechsel, bewusstem Verbrauch und gezielten Investitionen in Effizienz können Haushalte hunderte Euro pro Jahr sparen. Wie Dr. Neumann betont: „Energie sparen ist heute nicht nur ökologisch sinnvoll – es ist ein Akt der finanziellen Selbstverteidigung.“ Wer heute handelt, schützt morgen seine Kaufkraft.