Autor: Dr. Felix Brandt, Außenwirtschaftsexperte und Leiter des Forschungsbereichs Handelspolitik am Institut für Wirtschaftsanalyse (Berlin)
Datum: 10. November 2025
Was ist passiert?
Seit Mitte 2025 verschärfen sich globale Handelsbeschränkungen spürbar: Die EU hat neue Zölle auf bestimmte chinesische Elektrofahrzeuge und Solarmodule eingeführt, Russland und Weißrussland unterliegen weiterhin umfassenden Sanktionen, und mehrere Drittländer haben Exportkontrollen für Agrarprodukte wie Weizen und Sonnenblumenöl verhängt. Gleichzeitig führt die EU strengere Umwelt- und Herkunftsstandards („CBAM“ – Carbon Border Adjustment Mechanism) ein, die Importe aus CO₂-intensiven Ländern verteuern. Diese Maßnahmen wirken sich direkt auf deutsche Unternehmen aus – und letztlich auf die Verbraucherpreise.
Warum ist das wichtig?
Handelsbeschränkungen dienen oft legitimen Zielen: Klimaschutz, fairen Wettbewerb oder geopolitische Stabilität. Doch sie haben unvermeidliche Nebenwirkungen. Viele deutsche Unternehmen sind auf globale Lieferketten angewiesen – von Mikrochips aus Asien bis zu Obst aus Südeuropa. Steigen die Importkosten oder fehlen Waren, geben Unternehmen diese Lasten an Verbraucher weiter. Besonders betroffen sind aktuell:
- Lebensmittel (z. B. Sonnenblumenöl, Reis, exotisches Obst),
- Elektronik (Smartphones, Laptops, E-Bike-Komponenten),
- Baustoffe (Stahl, Aluminium, Dämmmaterialien).
Für Haushalte bedeutet das: Preise steigen nicht nur wegen Inflation – sondern auch wegen politischer und regulatorischer Entscheidungen fernab des deutschen Marktes.
Expertenanalyse
„Handelsbeschränkungen sind oft notwendig – aber selten kostenlos“, erklärt Dr. Brandt. „Die EU will klimaneutral und souverän werden, doch dieser Übergang hat einen Preis. Und der wird heute bereits im Supermarkt oder Baumarkt fällig.“ Er verweist darauf, dass die Auswirkungen ungleich verteilt sind: Geringverdiener leiden stärker, da sie einen größeren Anteil ihres Einkommens für Grundgüter ausgeben. Zudem warnt er vor kurzfristigem Denken: „Manche Verbraucher hoffen auf Entspannung – doch viele dieser Regelungen sind dauerhaft. Wir befinden uns mitten in einer Neuordnung der globalen Wirtschaft.“
Praktische Tipps für Verbraucher
- Kaufen Sie regional und saisonal: Regionales Obst, Gemüse und Milchprodukte sind weniger von globalen Handelsströmen abhängig und oft günstiger. Wochenmärkte und Hofläden bieten zudem Transparenz über Herkunft und Preisgestaltung.
- Verlängern Sie Produktlebenszyklen: Statt jedes Jahr ein neues Smartphone zu kaufen, nutzen Sie Reparaturdienste oder Second-Hand-Angebote. Die „Reparaturförderung“ des Bundes übernimmt bis zu 100 € der Kosten.
- Vergleichen Sie bewusst: Apps wie CodeCheck oder Open Food Facts zeigen nicht nur Inhaltsstoffe, sondern auch Herkunfts- und CO₂-Daten – hilfreich, um klimapolitisch teure Importe zu erkennen.
- Planen Sie größere Anschaffungen strategisch: Bei Elektronik oder Haushaltsgeräten lohnt sich das Warten auf Sales oder die Nutzung von Mietmodellen (z. B. bei Waschmaschinen).
- Bilden Sie Puffer: Legen Sie einen kleinen „Preisschock-Fonds“ an – etwa 20 € monatlich – um unerwartete Preisanstiege abzufedern.
Fazit
Die Zeiten globaler Preisstabilität sind vorbei. Neue Handelsbeschränkungen sind Ausdruck einer multipolaren, regulierten Weltwirtschaft – und sie werden die Preise in Deutschland noch lange beeinflussen. Doch Verbraucher sind nicht machtlos. Mit bewusstem Konsum, regionaler Orientierung und langfristigem Denken können sie Kosten senken und gleichzeitig nachhaltig handeln. Wie Dr. Brandt abschließend betont: „Die Zukunft des Handels ist nicht billiger – aber sie kann gerechter und klüger sein. Und daran können wir alle mitwirken.“