Autor: Dr. Markus Scholz, Leiter des Digital Business Labs am Deutschen Institut für KMU-Innovation (Köln)
Datum: 8. November 2025
Was ist passiert?
Im Jahr 2025 hat sich die digitale Ausstattung deutscher Unternehmen grundlegend gewandelt: Laut einer aktuellen Studie des BITKOM nutzen über 80 % der mittelständischen Betriebe cloudbasierte Geschäftssoftware – von Buchhaltung über CRM bis hin zu KI-gestützter Kundenanalyse. Gleichzeitig gewinnen drei Trends an Bedeutung: KI-integrierte All-in-One-Plattformen (wie Microsoft 365 Copilot oder SAP Joule), Echtzeit-Datenvisualisierung für das operative Management und sichere, dezentrale Identitätslösungen zur Einhaltung der DSGVO. Besonders KMU setzen zunehmend auf modulare, skalierbare Tools, die sich nahtlos in bestehende Prozesse einfügen – statt teure, starre ERP-Systeme zu installieren.
Warum ist das wichtig?
Digitale Werkzeuge sind heute kein „Nice-to-have“, sondern Kernbestandteil der Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die manuelle Prozesse, E-Mail-Chaos und Excel-Listen beibehalten, verlieren Zeit, Transparenz und Kundenzufriedenheit. Gleichzeitig steigt der Druck durch Regulierung: Die EU-Verordnung zur Cybersicherheit (NIS2) verpflichtet auch kleine Betriebe zur Dokumentation digitaler Risiken. Wer frühzeitig in sichere, effiziente und datenschutzkonforme Tools investiert, schützt nicht nur sein Geschäft – er schafft auch Raum für Innovation und Mitarbeiterzufriedenheit.
Expertenanalyse
„Der entscheidende Fehler vieler Unternehmen ist, Tools isoliert einzuführen – ohne Gesamtblick“, warnt Dr. Scholz. „Digitale Transformation beginnt nicht mit Software, sondern mit Prozessen.“ Erfolgreich seien jene, die zuerst klären: Welches Problem lösen wir? und Wie arbeiten unsere Teams wirklich? Besonders vielversprechend seien KI-gestützte Assistenten, die nicht nur automatisieren, sondern auch Empfehlungen geben – etwa bei der Liquiditätsprognose oder der Priorisierung von Kundenaufträgen. Kritisch sieht er jedoch den Umgang mit Datenschutz: „Viele kostenlose Tools speichern Daten außerhalb der EU – ein erhebliches Risiko bei personenbezogenen Kundendaten.“
Praktische Empfehlungen für Unternehmen
- Starten Sie mit einer digitalen Bestandsaufnahme: Analysieren Sie, wo manuelle Arbeit entsteht – etwa bei Rechnungsstellung, Terminplanung oder Lagerverwaltung.
- Wählen Sie DSGVO-konforme, europäische Anbieter: Plattformen wie Cloudflight, DATEVcloud oder Zammad (Open Source CRM) bieten Sicherheit und lokale Rechtssicherheit.
- Nutzen Sie KI gezielt als Assistenten: Setzen Sie Tools wie Microsoft Copilot for Business oder Notion AI ein, um Berichte zu erstellen, E-Mails zu entwerfen oder Daten zu strukturieren – nicht als Ersatz für Entscheidungen.
- Fördern Sie digitale Kompetenz intern: Bieten Sie Schulungen zu sicheren Cloud-Nutzung, Passwortmanagern und Phishing-Erkennung an – oft reichen 2–3 Workshops pro Jahr.
- Prüfen Sie staatliche Förderungen: Das „go-digital“-Programm des BMWK übernimmt bis zu 50 % der Kosten für Beratung und Software – auch für Einzelunternehmer.
Fazit
Die digitalen Werkzeuge von 2025 sind leistungsfähiger, benutzerfreundlicher und sicherer denn je. Doch Technologie allein reicht nicht: Erfolg entsteht dort, wo Tools menschliche Arbeit sinnvoll ergänzen – statt sie zu überfordern. Unternehmen, die strategisch, datenschutzbewusst und prozessorientiert handeln, gewinnen Effizienz, Resilienz und Zukunftsfähigkeit. Wie Dr. Scholz abschließend betont: „Die beste Software ist nicht die mit den meisten Funktionen – sondern die, die Ihr Team wirklich nutzt und vertraut.“