Autor: Dr. Jan Richter, Leiter des Kompetenzzentrums KI & Arbeitswelt am Deutschen Institut für digitale Innovation (Berlin)
Datum: 10. November 2025
Was ist passiert?
Im Jahr 2025 nutzen bereits 72 % der deutschen Unternehmen künstliche Intelligenz – sei es zur Prozessautomatisierung, Kundenanalyse, Personalplanung oder Produktentwicklung. Laut einer Studie des Bitkom entstehen dadurch nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch völlig neue Berufsbilder: KI-Ethik-Beauftragte, Prompt-Engineering-Spezialisten, KI-Trainingskoordinatoren oder Data Governance Manager. Gleichzeitig wandeln sich traditionelle Rollen: Marketingexperten arbeiten mit KI-gestützten Kampagnenplanern, Buchhalter nutzen intelligente Rechnungsprüfer, und HR-Teams setzen KI-gestützte Tools zur Bias-Reduktion in Bewerbungsverfahren ein.
Warum ist das wichtig?
Künstliche Intelligenz verdrängt zwar einige repetitive Tätigkeiten – doch sie schafft weit mehr neue Aufgaben, als sie ersetzt. Entscheidend ist: KI erfordert menschliche Begleitung. Sie braucht klare Zielvorgaben, ethische Leitplanken und fachliche Interpretation. Das bedeutet: Wer KI nicht als Bedrohung, sondern als Werkzeug versteht, gewinnt an Einfluss, Effizienz und Karriereperspektive. Besonders gefragt sind hybride Kompetenzen – also die Verbindung von Branchenwissen mit digitalem Grundverständnis. Selbst in Handwerk, Pflege oder Verwaltung gewinnen KI-affine Mitarbeiter zunehmend an Bedeutung.
Expertenanalyse
„KI ist kein Jobkiller – sie ist ein Job-Transformer“, betont Dr. Richter. „Die größte Karrierechance der nächsten Jahre liegt darin, Brücken zwischen menschlichem Urteilsvermögen und maschineller Effizienz zu bauen.“ Er warnt jedoch vor technologischem Aktionismus: „Viele Unternehmen kaufen KI-Tools, ohne ihre Mitarbeiter einzubinden. Das führt zu Frustration und Fehlanwendungen.“ Erfolgreich seien hingegen jene, die KI als Verstärker menschlicher Fähigkeitennutzen – etwa um kreative Freiräume zu schaffen oder datenbasierte Entscheidungen zu beschleunigen. Besonders vielversprechend seien Karrieren an der Schnittstelle von Technik, Ethik und Anwendung – etwa in der KI-gestützten Rechtsberatung, im nachhaltigen Supply Chain Management oder in der personalisierten Gesundheitsversorgung.
Praktische Schritte für den beruflichen Aufstieg
- Erlernen Sie KI-Grundlagen: Nutzen Sie kostenlose Kurse wie „KI für alle“ (Coursera), die Angebote der IHK oder die Plattform KI-Campus.de – ein vom Bund gefördertes Bildungsportal.
- Entwickeln Sie Prompting-Fähigkeiten: Gutes Formulieren von Anfragen an KI-Systeme („Prompt Engineering“) wird zur Kernkompetenz – üben Sie gezielt in Ihrem Fachgebiet.
- Verbinden Sie Ihr Fachwissen mit KI-Anwendungen: Fragen Sie sich: „Welche wiederkehrenden Aufgaben in meinem Job könnte KI unterstützen?“ und testen Sie Tools wie Copilot, Notion AI oder branchenspezifische Lösungen.
- Engagieren Sie sich intern: Bieten Sie in Ihrem Unternehmen an, Pilotprojekte zu begleiten oder als „KI-Botschafter“ zu fungieren – das stärkt Sichtbarkeit und Führungskompetenz.
- Achten Sie auf ethische Aspekte: Verstehen Sie die Grundlagen des KI-Einsatzes – Datenschutz, Transparenz, Fairness – und bringen Sie diese in Diskussionen ein.
Fazit
Künstliche Intelligenz ist keine ferne Technologie – sie ist bereits heute Teil des deutschen Arbeitsalltags. Wer sich aktiv damit auseinandersetzt, gewinnt nicht nur an Produktivität, sondern auch an beruflicher Zukunftssicherheit. Die Karrieren der Zukunft gehören nicht denjenigen, die KI am besten programmieren – sondern denen, die sie am klügsten einsetzen. Wie Dr. Richter abschließend sagt: „Die beste KI ist die, die Menschen stärkt – und wer das versteht, wird zum Gestalter der neuen Arbeitswelt.“